Probenpraxis im Chor

Die Praxis der Chorprobe


Eine Chorprobe ist immer eine Gratwanderung für den Chor und die Leitung gleichermaßen. Idealerweise entsteht ein Gleichgewicht zwischen Humor und konzentrierter Arbeit.

 
München (gf) - Der Chorleiter ist nicht nur in seiner Funktion als Leiter gefragt, sondern hat darüber hinaus Aufgaben eines Pädagogen und Psychologen zu bewältigen. Am Ende steht das Ziel, den optimalen Klang aus dem Chor "herauszuholen". Dazu teilen viele Chorleiter die Probe in Phasen ein und suchen die Interaktion mit dem Chor. Natürlich muß man bei der Definition der Ziele realistisch sein. Studiert ein Chor mehrere Stücke parallel ein, so besteht die Gefahr, der Überfoderung. Eine Möglichkeit diesem Problem zu begegnen besteht darin gerne auch mal Titel aus der Vergangenheit zu singen. Es muß nicht immer ein Stück neu einstudiert werden. Diese Methode eignet sich besonders wenn Chor und Leitung neu zusammenkommen. Ein guter Impuls ist es auch, mit anderen Chören zu kooperieren. Einfach mal den Jugend oder Kinderchor hinzuholen wirkt manchmal Wunder und ist allemal erfrischend. Eine Chorprobe darf nicht zu langweilig oder zu zäh werden. Wenn ein Chor nach 3 Stunden erst 5 Takte erarbeitet hat ist es vielleicht sinnvoll den Chor mit einem Stück "einzustimmen" das bereits fest einstudiert ist. Das kann ein z. B. kleiner Kanon sein. Danach fühlt sich der Chor oft sicherer und das Einstudieren eines neuen Werkes geht leichter voran. Die Kunst der Chorleitung besteht darin, Unsicherheiten beim Chor auszumerzen, gleichzeitig die Spannung aufrecht zu erhalten und musikalische Akzente zu setzen. Wichtig ist auch daß der Chorleiter selbst nicht allzu großen Stimmungsschwankungen unterliegt. Diese übertragen sich auch auf den Chor. Haben Sie Tipps und Ideen wie eine Chorprobe lebendig und effektiv gestaltet werden kann? senden Sie uns eine Mail an info@chor.de. Gerne greifen wir Ihre Ideen auf.
Vorbereitung der Chorprobe

Das A und O einer jeden Chorprobe ist eine solide Vorbereitung. Ein sorgfältig vorbereiterer Anfänger kann jeden improvisierenden Halbprofi in den Schatten stellen. Nimm Dir also genug Zeit, Deine Probe vorzubereiten.
Hör Dir das Original so oft an, bis Du die Texte genau kannst, Dir der Ablauf vertraut ist und Du die Noten, die vor Dir liegen, haargenau nachvollziehen kannst, schlage den Takt mit und präge Dir die Einsätze und Tonendungen genau ein. Hör das Lied beim Putzen, Autofahren, Einschlafen, whatever – damit es richtig verinnerlicht wird!
Lerne alle Stimmen ganz genau, ganz präzise! Lerne sie in- und auswendig! Überlege Dir jetzt schon, ob Du die Männerstimmen hoch oder tief singen lassen willst (siehe Abschnitt Männerstimmen)! Auch wenn Du nicht alle Stimmen beibringst und Du noch andere Chorleiter zur Unterstützung neben Dir hast, als Hauptleiter eines Liedes solltest Du alle Stimmen auswendig können.
Übe, sie auch zu den jeweils anderen Stimmen zu singen – lass jemanden mitsingen oder spiele Klavier dazu!
Du musst auch die Einsätze in den einzelnen Stimmen beherrschen, damit Du dem Chor wirklich Unterstützung geben kannst.
Mach Dir WÄHREND Du die Stimmen lernst schon Gedanken über die Betonungen und den Rhythmus!! (siehe hier Abschnitt Rhythmus)

Wenn Du Dir verschiedene Stimmen in Zweier-Kombinationen vorspielst, merkst Du, welche Stimmen gut zusammen passen. Diese können sich in der Probe dann gegenseitig unterstützen.
Stelle einen (ruhig vorläufigen) Liedablauf zusammen und sprich ihn mit anderen Dirigenten, der Band, dem Keyboarder und anderen Personen, die an der Probe des Liedes beteiligt sind, ab.
Die Chorprobe Teil 1

Also los! Gut vorbereitet gehst Du in die Probe und der Chor erwartet gespannt den neuen Sound, den Du ihnen verpassen wirst... Kurz zusammengefasst kannst Du die Probe nach dem MIAU-Prinzip abhalten.

M wie Motivation
I wie Instrument
A wie alle beschäftigen
U wie Uhr im Blick behalten.

Hier bekommst Du ein grundsätzliches Ablaufschema und einige Tipps zum Üben in einer Probe. Beachte: ein Schema ist dazu da, sinnvoll variiert zu werden. Mit der Zeit wirst Du merken, was wann angebracht ist.
Einsingen (siehe Abschnitt Einsingen).
Es ist auf Dauer sinnvoll, wenn der Chor Notenblätter bekommt. Auch wenn jemand keine Noten lesen kann, "rauf" und "runter" erkennt er schon. Mit der Zeit lernt er auch dazu! Erkläre, welche Stimme im System wo steht.
Lied vorstellen, z.B. von CD anspielen oder eine kleine Geschichte dazu erzählen. Mach Deinen Chor neugierig und gespannt auf das, was kommt. Verteile die Notenblätter entweder vorher oder hinterher, je nachdem, ob Du möchtest, dass der Chor erst mal nur auf das Lied hört, oder ob jeder seine Stimme schon mitverfolgen soll.
Die Motivation eines Chores besteht im Grunde aus drei Säulen:
Vorbereitung
Präsentation
Positiver Abschluß
Die Verwendung eines Begleitinstruments ist bei einer Chorprobe sehr hilfreich. Z. B.: Wenn eine Stimme schwer zu erlernen ist, weil manche Sprünge einfach nicht ins Ohr gehen wollen. Oft genügt es schon auf einem Klavier die Akkorde anzuspielen.
Es hat sich in der Praxis der Chorprobe bewährt, den einzelnen Stimmen nicht zu lange Pausen zu gönnen. Eine Beteiligung der Stimmen die gerade nicht geprobt werden bzw. angesprochen werden ist stets hilfreich, um die Aufmerksamkeit aufrecht zu erhalten. Hier bietet es sich an, pausierende Stimmen z. B. mitschnipsen zu lassen oder die Stimmen durch Bewegungen weiterhin einzubinden.
Der Chorleiter muß auf der einen Seite die Probe zügig gestalten, gleichzeitig darf niemand überfordert werden. Hier gilt es einen Spagat zu bewältigen zwischen Lerntempo und Sorgfalt.
Tipps zum Einüben von mehrstimmigen Liedern

4. Lies den Text rhythmisch langsam vor. Lass den Chor mit- oder nachsprechen (ja nach Komplexität), wiederhole es ein, zwei Mal (muss nicht immer sein, aber ist oft eine Hilfe!). 5. Oft ist es günstig, nicht mit der führenden Stimme zu beginnen, sondern mit einer anderen (vorzugsweise mit der schwächsten im Chor, weil die sonst immer wieder in die Melodie zurückfällt). 6. Nimm keinen allzu großen Abschnitt. Singe ihn zwei-, dreimal vor, lass sie dann mitsingen. Korrigiere, wenn nötig, sing nochmals vor. Lass dann den Keyboarder leise die Akkorde mitspielen. Üben, bis sie es ohne Dich können. 7. Eine Melodie mit dem Klavier vorzuspielen ist zwar präziser als das Vorsingen, kann aber lange nicht so viel Ausdruck geben wie Deine Stimme. Du kannst mit ihr viel genauer vorgeben, wie Du das Lied gesungen haben möchtest. 8. Achtung! So, wie Du vorsingst, singt der Chor nach. Das heißt, Du musst vorher genau wissen, welche Teile Du betont haben möchtest, wie die Aussprache sein soll usw. Oft prägt sich das Ersthören sehr genau ein, und es ist hinterher kein leichter Job, alles wieder umlernen zu müssen. 9. Nimm die nächste Stimme dazu. The same procedure, bis sie es alleine können. Wiederhole kurz die erste, lass sie es dann gleich zweistimmig versuchen. 10. Endlosschleifen haben sich bewährt. Immer wieder den gleichen Teil, bis er richtig sitzt, ohne dass Du ständig neu einzählen musst. Frage immer wieder, wo Unklarheiten herrschen und höre selber genau hin, damit Du in der Lage bist, Fehler zu korrigieren!
11. Es kann sein, dass eine Stimme sehr schwer zu lernen ist, weil manche Sprünge einfach nicht ins Ohr gehen. Oft ist ein Instrument (am besten Klavier), das einfach die Akkorde unterlegt eine große Hilfe! Dann erklärt sich schnell, warum dieser Halbtonschritt unbedingt gesungen werden muss, und dass er gar nicht so schwer ist. 12. Manchmal ist Text und Melodie auch einfach zuviel! Dann mal die Stimmen auf Silben wie "du" oder "ba" singen, dann kann sich der Chor auch selbst mehr zuhören. 13. Eine zweite Stimme kann Hilfe sein. Wenn Du bei der Vorbereitung festgestellt hast, dass zwei Stimmen gut zusammen passen, lass eine leise mitsingen oder mitsummen. Spiel Dir vorher die Stimmen vor und prüfe, welche sich gut ergänzen. 14. Beteilige die anderen Stimmen, z.B. durch Bewegung, Schnipsen… 15. Mach mit den anderen Stimmen weiter. Wenn der Teil sitzt, lass sie alle zusammen singen. Höre, ob alles klar ist – wenn ja, gleich noch mal! Wenn nicht, noch mal üben... 16. Ein schwieriger Spagat ist es, die Probe so zügig zu gestalten, dass der ganze Chor permanent lernt – und gleichzeitig niemanden zu überfordern. Aber nur in diesem Spagat wird es gelingen, die Spannung in der Probe aufrecht zu erhalten. 17. Also: Gönne einer Stimme nicht zu lange Pausen! Wenn man nichts zu tun hat, schaltet man schnell ab. Wichtig dafür ist vor allem, dass du nachdem eine Stimme irgendetwas gesungen hat, sofort weitermachst und nicht erst 1 Minute überlegst. Trotzdem ist es wichtig, Du die Stimmen ausreichend wiederholst. Der Chor schaltet noch eher ab, wenn er das Gefühl hat, nicht mitzukommen. Wichtig ist, dass Ihr Erfolgserlebnisse verbuchen könnt! 18. Geh Abschnitt für Abschnitt weiter. Eine Abwechslung in der Reihenfolge der Stimmen ist immer gut, damit nicht zuviel Routine entsteht. Ganz wichtig und oft vergessen ist das Üben der Übergänge der verschiedenen Abschnitte! Oft verliert hier eine Mittelstimme ihren Ton! 19. Du bist der Chef der Chorprobe. Du gibst die Anweisung, was wie gesungen werden soll, wer wann singt und wann der Keyboarder oder die Band spielt. Wenn der Chor merkt, dass Du Deine Anweisungen klar verständlich, kurz, sinnvoll und durchdacht gibst, wird er Dich als Chorleiter schnell akzeptieren.
Nach der Pause in der Chorprobe

Wiederhole nach der Pause alles kurz, dann lass es ruhen bis zum nächsten Mal.
Wiederhole jetzt ein schon gelerntes Lied zur Entspannung, übe alte Sachen, "perfektioniere" sie. Falls die Band da ist und der Chor schon so gut: Jetzt ist der Zeitpunkt, gemeinsam zu proben! Das gleiche gilt für Solisten!
Versuche, eine Probe mit einem Erfolgserlebnis für den Chor abzuschließen, damit sie lächelnd nach Hause gehen können... und Du auch!
Chorprobe Teil 2
So – letzte Woche ein völlig neues Lied angefangen? Das muss vertieft werden! Auch erst mal zu Hause bei Dir selbst, denn Du wirst nicht glauben, wie kurz unser Gedächtnis nur speichert. Es ist wirklich demotivierend für alle, wenn Du selbst erst mit dem Chor die Stimmen auffrischst! An für sich wiederholt sich das Probenschema jede Woche: Einsingen, neues lernen, üben, Pause, neues wiederholen, altes auffrischen, üben,...
Singe eventuell jeder Stimme ihre Melodie rasch so weit vor, wie Ihr es letztes Mal geübt habt, oder mach gleich mit Piano die Probe aufs Exempel, wie viel sie behalten haben. Mach das ruhig zwei oder drei Mal!
Frage nach Lücken und wiederhole, übe einfach mit den oben genannten Hilfsmitteln, bis es klingt. Dann geh weiter zu den nächsten Abschnitten.
Bis zur Pause! Nach der Pause wiederhole rasch alles (wie letztes Mal...), singt komplett so weit, wie Ihr gekommen seid.
Danach gilt dasselbe wie oben: das Neue ruhen (d.h. sich setzen) lassen, Altes auffrischen, üben, Wunschlieder singen, mit oder ohne Band/ Solisten - ganz entspannt!
Manöverkritik nach der Chorprobe

Nimm Dir nach der Chorprobe ein paar Minuten Zeit, um die Probe unter folgenden Fragestellungen zu reflektieren:
Hast Du das erreicht, was Du wolltest? Wenn nein, warum nicht?
Wo ergaben sich Schwierigkeiten, die Du nicht erwartet hattest?
Wie sicher kann der Chor sein Stück? Muss das Stück in der nächsten Probe noch einmal wiederholt werden?
Hat der Chor das umgesetzt, was Du ihm an Gestaltung des Stückes vorgegeben hast?
Aus Deiner eigenen Reflexion und dem Feedback von anderen – das sehr wichtig ist und Dich richtig gegeben nur weiterbringen kann – kannst Du schon den groben Plan für die nächste Woche entwickeln. Versuche die Reflexion so zeitnah wie möglich nach der Probe zu machen, da Du ein paar Tage später schon wichtige Einzelheiten vergessen haben kannst.
Sonstiges zur Chorprobe

In manchen Liedern singt der Solist die Leadstimme, während der Chor für Einwürfe zuständig ist. Diese Teile sind häufig nicht ganz einfach beizubringen. Du kannst es Dir aber erleichtern, indem Du beispielweise einen (vorläufigen) Solisten dazu nimmst, der singt, während Du dem Chor seinen Part vormachst. Der Solist muss natürlich gut vorbereitet sein! Beschäftige Dich in diesen Teilen des Liedes in der Vorbereitung intensiv mit der Taktzählung, damit Du die Einsätze auch ohne Solostimme geben kannst.
Hat man kompliziertere, vier- (oder noch mehr-)stimmige Lieder zu lernen und zwei Chorleiter zu Verfügung, kann Phase eins der Probe, nämlich das Beibringen, zugunsten intensiverer und kürzerer Proben auch in getrennten Räumen stattfinden. Hinterher setzt man einfach zusammen. Bedenke dabei, dass Ihr Chorleiter Euch umso gründlicher um die Feinheiten des Liedes kümmern müsst, damit Ihr wirklich das Gleiche beibringt!
Alternativ verwenden viele Chorleiter auch Overheadprojektoren und Folien. Noten sind darauf aber meistens sehr schlecht zu erkennen. Außerdem musst Du darauf achten, dass der Chor seine Aufmerksamkeit trotzdem ganz auf Dich richtet.
Frage den Chor ab und zu während besonders hoher/ tiefer/ anstrengender Stellen, wie es ihren Hälsen geht und reagiere entsprechend. Man kann Stellen auch mal auf einer anderen Tonhöhe proben und dann schrittweise zur Originalhöhe zurück gehen.
Der Chor im Konzert

Die Konzertvorbereitung: Ein Wechselbad der Gefühle.

Bitte behalte Deine gute Laune, auch wenn es vielleicht ziemlich eng wird und die Probenmoral gegen Null konvergiert! Motiviere, mach Mut, arbeite eng mit den anderen Mitarbeitern zusammen!
Wenn der Chor sehr faul ist, mach ihm ruhig ein bisschen Angst: "Najaaa... wir haben doch bald Konzert... also, im Moment sieht es ja aus als ob... aber nein, wenn wir uns jetzt ranhalten, dann schaffen wir's!! Oder will hier jemand was anderes behaupten?!"
Die Solisten müssen allerspätestens jetzt intensiv trainiert werden! Sie sollen zu den Bandproben erscheinen!
Übt so oft es geht mit der Band!
Denke daran: Ja, eine gute Show muss sein, dafür arbeitet Ihr. Letztlich aber hat niemand etwas davon, wenn Ihr über dem Stress den Spaß verliert! Also, sei nicht zu bekümmert, wenn Ihr nicht perfekt seid, versuche aber dennoch, alle dazu zu bringen, ihr Bestes zu geben!
Showtime!

Worauf ist während eines Konzertes vom Chorleiter und dem Chor zu achten?

Du musst von allen Punkten in Band und Chor zu sehen sein!
Nerve die Techniker, bis Ihr ein anständiges Bühnenmonitoring habt – es gibt kaum etwas schlimmeres als einen Chor, der sich nicht hört!
Chormikros! Du kennst Deine Pappenheimer, weißt, wer gut oder nicht so gut singt. Also ist klar, wie Du die Mikros drehen wirst, oder?! Sprich das vor allem auch mit den Technikern ab!
Sie klagen, dass das Licht blendet? Sag ihnen, dass sich das auch nicht ändert.
Singe den Chor vor dem Soundcheck absolut gründlich und schonend ein! Im Eifer des Gefechts vergisst man so etwas leicht, oder man hat selbst keine Ruhe zum Einsingen. Hier ist also wirklich Deine Selbstdisziplin gefragt. Aber Ihr habt doch nicht so lange geübt, um auf der Bühne schließlich heiser zu sein, oder?!
Also: Schone den Chor beim Soundcheck. Sie sollen nur so lange kräftig singen, wie es der Tontechniker braucht!
• Schärfe ihnen ein, nicht rumzubrüllen und die Stimmen nicht zu ruinieren, bis das Konzert losgeht.
Wenn der Chor nicht dran ist, muss er auf der Bühne mucksmäuschenstill sein, da die Mikros auch das leiseste Getuschel übertragen!
Trefft Euch 20 min vor Beginn noch mal in einem ruhigen Raum. Singe nochmals ein, sprich Mut zu, singt das eine oder andere Lied an... Die Geistlichen Leiter haben bestimmt auch noch etwas vorbereitet.
Besonders auf der Bühne gilt für Dein Dirigieren: Der Chor ist das Spiegelbild des Chorleiters, nur etwa halb so stark. Wenn Du also 100% Party machst, macht der Chor unter Umständen gerade mal 50%.
Motivation

Oben steht, eine der Aufgaben eines Chorleiters ist „Motivator“. Das klingt einfach, aber nicht jeder ist der geborene Motivator oder hat das Gute-Laune-Spray im Schrank stehen. Was macht man also, wenn man einen Chor motivieren will?
Die drei Dinge, die Du beachten musst, lassen sich im Grunde unter diesen drei Punkten zusammenfassen:
Vorbereitung
Präsentation
Positiver Abschluss
Grundsätzliches

Vorneweg ein paar allgemeine Sachen, die Du beachten solltest, wenn Du Dich vor den Chor stellst. Sie seien hier noch mal erwähnt, damit sie sich festigen. Es sind die Dinge, die Du verinnerlicht haben solltest, bevor Du Dich mit Motivation beschäftigst.
Vor dem Chor
Fester stand auf beiden Beinen.
Hände aus den Hosentaschen, Arme nicht verschränken.
Lächeln, positive Ausstrahlung.
Alle im Blick haben, jeden Einzeln immer wieder anschauen und anlächeln.
Nicht an Zetteln „kleben“. Bis zur Probe muss Dein „Rettungsring“ in Deinem Kopf sein, nicht in Deinen Händen (die Hosentasche sei Dir gegönnt/erlaubt).
Stell Dich so hin, dass alle Dich gut sehen können
Falle nicht aus Deiner Rolle! Wenn Du einen Mit-Chorleiter hast, der mal eine Stimme beibringt, gelten die Regeln immer noch
Während der Probe

Sei ein Vorbild! Verhalte Dich immer so, wie Du es von Deinen Leuten erwartest, wenn Du vor ihnen stehst.
Die drei Basics der Motivation

7.2.1 Vorbereitung Deine Vorbereitung ist der Schlüssel zum Erfolg. Plane Deine Vorbereitung sorgfältig und fange früh genug an. Du kannst nicht gleichzeitig Deinen Chor motivieren und noch schnell vor Ort die Stimmen lernen, eine CD brennen, eine Folie schreiben und Dein Einsingen vorbereiten 26 Chorleitung bei TEN SING wollen. Das geht nicht! Erst, wenn Du alles vorbereitet hast, hast Du den Kopf überhaupt erst frei, um Dir über so etwas wie „Motivation“ Gedanken zu machen. Auch Motivation muss vorbereitet sein! Folgendes solltest Du vorher bedenken:
Eigenmotivation

Aufgabe: Gehe nicht schlecht gelaunt zur Probe! Das ist die erste Vorraussetzung einer guten Chorprobe. Wenn Du einen schlechten Tag hattest, dann sag das Deinem Chor und versuche nicht das zu überspielen, das merkt Dein Chor sofort. Sei Du selbst! Aber wenn Du einen schlechten Tag erwischst, dann liegt alles in Deinen Händen Deine Laune zu verbessern! Mach etwas, das Du gerne machst. Lies noch mal die Lieblingsstelle aus Deinem Buch, bereite ein superwitziges Einsingen vor, höre Deinen Lieblings-gute Laune-Song. Setz Dich vor der Probe zu Hause noch einmal hin, überlege, ob Du wirklich an alles gedacht hast. Mach Dir eine Liste und arbeite sie ab. Schmeiß vielleicht die Songs von der Probe in den CD-Player, um mal richtig dazu abzuspacken! Sieht Dich ja (noch) keiner. Ausserdem kannst Du die Einsätze noch mal mitdirigieren und einfach mal Spaß am Lied haben. Das ist wichtig, damit Du Deinem Chor den Spaß am Lied vorleben kannst und damit nicht nur Du selbst motiviert zur Probe gehst, sondern Dich gar nicht mehr groß darum kümmern musst, wie Du den Song für den Chor zum ultimativen Kracher werden lässt. Je weniger Du Dir während der Probe ausdenken musst, umso weniger Energie kostet Dich die Probe und Du gehst selbst mit einem Lächeln nach hause und nicht mit Frust!
Präsentation

Das, was Du machst, kannst Du zu hause vorbereiten. WIE Du es aber gut rüberbringst soll als nächstes hier kurz thematisiert werden Stell Dir mal die ganzen Musik-Stars bei deren Live-Shows vor. Was macht deren Shows so erfolgreich? • Die Musik ist cool. • Man geht da freiwillig hin. • Die Leute, die da sind, sind cool (haben dieselben Interessen). • Der Künstler ist cool. Das unterscheidet ein Konzert kaum von einer TEN SING-Gruppe, oder? Die Musik wird von den Leuten gewählt, man geht da frewillig hin und die Leute, die auch da sind, sind meist auch cool.
Also liegt der letzte Punkt, um das abzurunden an Dir: Die Präsentation der „Songs“, genauer: Den Chorsätzen der Lieder. Und hier kommen auch wieder die Punkte zum Tragen, die eigentlich eine Vorraussetzung einer guten Chorprobe sind:
• Alle müssen Dich sehen können (wie auf der Bühne). • Du musst lächeln (wie auf der Bühne). • Das, Lied, das Du beibringst sollte auch Dir Spass machen (auch, wenn Du es nicht geschrieben hast und damit Millionen von Euronen verdienst). • Du musst das Lied mit jeder Einzelheit, jeden Einsatz der Band, jeden Einsatz des Chores (den natürlich hauptsächlich) können. • Du musst die Leute dazu animieren (motiveren) mit Dir gemeinsam Spaß zu haben. Lass sie klatschen, mache Chorbewegungen vor, lass sie tanzen, ruf ihnen Dinge zu, die sie machen sollen (An die Nase packen, hinhocken, auf einem Bein singen, etc…). Du darfst dabei nur nicht vergessen, dass im Hintergrund ein Lied läuft, zu dem sie singen sollen (deswegen musst Du das Lied gut genug können...).
Positiver Abschluss

Trotz aller Motivation werden die Leute nur dann gerne Chorarbeit machen, wenn sie merken, dass sie in der Lage sind, gemeinsam etwas zu singen. Um dies zu erreichen, muss natürlich jedes Lied soweit einstudiert werden, dass drei Stimmen, wenns auch nur für die Dauer eines Refrains ist, gemeinsam so singen, dass es sich gut anhört. Und wenn Du die Leute wieder und wieder etwas singen lässt und es schon anfängt, aus den Hälsen rauszugucken. Lass Dich davon nicht entmutigen und mach zur Not die eine Stimme, die hapert, noch mal bis der Chor mindestens einmal den Part gesungen hat. Warum das wichtig ist? Das hat mit Gruppendynamik zu tun. Wenn die Leute mit einem Lächeln nach Hause gehen, kommen sie auch mit einem Lächeln wieder und Du hast es in der nächsten Probe deutlich einfacher. Probiers aus, Du wirst sehen, dass, was immer Du machst und mit einem positivem Abschluss endest, immer besser gelingen wird, als mit einem frustigen Ende. Klingt einfach? Ist auch so.
Motivation ist nicht gleich Spontaneität

Man kann eine Probe so vorbereiten, dass man motivierende Elemente mit einbaut. Einige Beispiele: • Den Probenraum mal passend zu den Liedern, die man macht, dekorieren • Dem Chor eine Belohnung verteilen (Süssigkeiten, Liedchen, sich hinsetzen dürfen), wenn etwas besonders gut geklappt hat. • Chorproben im Freien • Chorprobe in der Kirche (toller Sound!) • Das Einsingen zu einem „Wettbewerb“ zwischen Jungs und Mädels machen (Mit allem, was dazu gehört ;) Trotzdem ist Motivation natürlich auch oft eine spontane Kiste. Hier zwei Beispiele aus der Praxis:
• Die Chorprobenplanug komplett umschmeißen, weil vier Gast-Franzosen dabei sind und alle die französische Nationalhymne lernen lassen… • Die Leute haben keine Lust auf das Lied. Gut, dann macht man die Probe eben kürzer und wiederholt ein anderes Lied, was die Leute gerne machen. Generell gilt: Geh ein bisschen auf die Stimmung der Leute ein. Du musst das Gleichgewicht finden zwischen Zuckerbrot und Peitsche, zwischen „was der Chor will“ und „was habe ich mir für die Probe vorgenommen“.