Chorleitung lernen

Chorleitung lernen

Wer einen Chor leitet, wird schnell feststellen: Kommunikation und Konzentration sind unablässlich für den Erfolg des Chores. Dazu kommen viele weitere Aspekte, die man auf den ersten Blick nicht erwartet hätte. 

München (gf) - Wer die Leitung eines Chores übernimmt, hat ein breites Aufgabenspektrum zu bewältigen. Neben der musikalischen Kompetenz wird der Chorleitung ein hohes Maß an Sozialkompetenz abverlangt. Doch lässt sich Chorleitung lernen wie jeder andere Beruf auch. Auf dieser Seite beleuchten wir die verschiedenen Aufgaben rund um die Chorleitung. Wir geben Tipps für die Chorleitung und Werkzeuge für die praktische Arbeit mit dem Chor an die Hand.

 

Chorleitung lernen. Tipps für die Chorleitung

Liedauswahl mitgestalten


Die Auswahl eines einzustierenden Titels wird von mehreren Überlegungen begleitet: Welches Genre hat der Chor grundsätzlich?

Der Schwierigkeitsgrad muß für den Chor passen.

Ist der Titel zu leicht, so langweilen sich die Sängerinnen und Sänger, ist er zu schwer kommt Unmut auf und der Chor hat das Gefühl "nicht weiter zu kommen".

Natürlich sind auch die Band bzw. das Orchester wichtige Instanzen bei der Titelauswahl.


Wer einen Chor leitet hat auch eine Vorbildfunktion. Wie im echten Leben muß der Spagat bewältigt werden zwischen Teamarbeit und Autorität. Ist die Zusammenarbeit von gegenseitigem Respekt und Vertrauen geprägt kann ein Chor mit seinem "Diri" (Dirigenten) viel erreichen. 

Natürlich darf sich ein Chorleiter aber auch nicht "rumschubsen" lassen. Ein Chor ist nur begrenzt für demokratische Verfahrten geeignet...

Zur Vorbildfunktion gilt für den Chorleiter:

Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit. Offenheit für Kritik aber auch Stehvermögen in der Rolle eines Chorleiters.

Ebensowenig wie ein Chor nicht der Selbstverwirklichung des Chorleiters dienen soll, ist es auch nicht die Aufgabe, den Chor zu "bespaßen". Alle haben sich der gemeinsamen Aufgabe gestellt zu singen. Es obliegt dem Chorleiter den Chor als Klangkörper zu "formen". Das gelingt am besten mit Motivation. Wie man diese Aufgabe meistert lesen Sie in der Rubrik "Motivation des Chores". 

Solisten Chor und Orchester/Band

Ein Chorleiter koordiniert die Solisten, den Chor und die Band. Der Ablauf eines Liedes muß feststehen und mit der Band abgesprochen werden. Dazu muß der Chorleiter im stetigen Kontakt mit der Band stehen und festlegen, wann welche Titel geprobt und interpretiert werden. Auch einzelne Solo-Übungs Einheiten stehen gelegentlich an. Das bringt Chor, Band und Solisten zusammen. 

Dirigieren im Chor


Grundsätzliches
Es gibt – grob gesehen – zwei unterschiedliche Bereiche des Dirigierens A Capella und das Dirigieren mit Band.

A Capella Mit Band
  auf den Einsatz vorbereiten
Einsätze geben Einsätze geben
Tempo geben (auch variieren)  
Text zeigen Text zeigen
Dynamik zeigen Dynamik zeigen
Ausdruck vormachen Moti vation, Party, Lächeln (Schauspielern)
Spannung halten  
  Chorbewegungen
Dem Zuschauer zeigen, was passiert Dem Zuschauer zeigen, was passiert
Wie dirigiert man richtig?

Kurz gesagt: Mit Deinem ganzen Körper, mit Leib und Seele, mit allem, was Du hast. Unter den folgenden Punkten lernst Du ganz generell, wie ein Chorleiter steht, wie er auftritt, sich präsentiert. Deine Präsenz – die Haltung des Chorleiters Präsent zu sein ist eine unglaublich wichtige Eigenschaft für einen Chorleiter und die Grundlage dafür, überhaupt begeistern, motivieren, mitreißen zu können. Präsent sein bedeutet für Dich:
Steh aufrecht und blicke den Chor offen an.
Habe einen „festen Stand“ – sowohl wörtlich als auch im übertragenden Sinne: das strahlt nicht nur Sicherheit aus, sondern gibt sie Dir auch.
Sei hellwach! Das klingt komisch, wenn man hundemüde ist, bedeutet aber: Sei mit Deinen Sinnen voll da. Wenn Du Dich bemühst, werden ungeahnte Energiereserven aktiviert und Du bist schließlich wirklich hellwach.
Nimm Blickkontakt zu den Leuten auf. So merkst Du, wie sie reagieren, signalisierst Dein Interesse an ihnen und weckst dadurch ihres.
Sprich laut und deutlich.
Dirigiere mit erhobenen Händen und nicht direkt vor deinem Körper, damit alle Deine Bewegungen klar zu erkennen sind.
Singe/spreche den Text übertrieben deutlich mit, lächle, lache, tanze... Sei in Bewegung und bewahre Deinen „festen Stand“.
Keine Hektik! Sei ein ruhender Pol, kein Stressfaktor.
Bleib bei Deiner Aufgabe, lass Dich nicht zu viel ablenken durch Albernheiten im Chor. Das heißt nicht, dass Du nicht mitlachen darfst. Aber behalte immer im Auge, dass Du für eine Probe verantwortlich bist.
Trenne persönliche Spannungen mit Chormitgliedern von Deiner Aufgabe als Chorleiter! Eure Kämpfchen oder Flirts haben in der Chorprobe keinen Platz!

Dirigieren in Theorie und Praxis



Jetzt endlich geht es tatsächlich um das Dirigieren und das Musikalische selbst. Auch diese Dinge müssen lange Zeit und viel vor dem Spiegel geübt werden, um Dir quasi ins Fleisch und Blut überzugehen.

Dirigierhaltung

Halte Deine Arme ungefähr im rechten Winkel vor Deinem Körper, die Ellbogen liegen nicht am Körper an. Achte bei Dirigieren darauf, dass das Zentrum Deiner Bewegungen vor Deinem Körper bleibt. Zu hohe Bewegungen können z.B. dazu führen, dass der Chor beginnt, falsch, zu hoch zu atmen. Führe Deine Bewegungen ruhig und bestimmt durch, nur so kannst Du kraftvoll dirigieren und den Chor mitreißen – schlabbrige Arme werden das nicht erreichen! Alle Bewegungen müssen (logisch!) für den Chor deutlich und gut sichtbar gemacht werden.

Takte

Im "normalen" Dirigierleben werden Dir zumeist 4/4-Takte begegnen, auch 2/2-Takte (alla breve), ab und zu kommt dann vielleicht einmal ein Liedchen in 6/8-Takt daher (was aber meistens auch als alla breve dirigiert wird). Der Vollständigkeit halber sei auch der 3/4-Takt erwähnt.
Die gebräuchlichsten Taktarten

Der 4/4-Takt

Wichtig sind die Akzente auf „eins“ und auf „drei“. Versuche, besonders nach der "vier" eine große Bewegung zur „eins“ zu machen. Durch den langen Weg bekommt die „eins“ ihre Betonung. An dieser Stelle gibst du deinem Chor eine deutliche Orientierung, wo sie sind. Außerdem kannst Du auf diese Weise eher verhindern, dass der Chor in den Dämmerschlaf abgleitet, weil Du einfach so schwungvoll dirigierst. Sollte ein Lied etwas zu schnell sein, so dass Du beim wilden 4/4-Rudern völlig aus der Puste gerätst, mach die Bewegungen einfach kleiner (fast nur Handgelenk) und lass nur noch die „eins“ herausstechen. Oder Du dirigierst einfach in der halben Geschwindigkeit einen 2/2-Takt.

Der 2/2-Takt (Alla Breve)

Viele Lieder, darunter vor allem aus den Musikrichtungen Funk, Ska, Reggae und Crossover4 , sind sehr Sechzehntel-betont, ohne aber doppelt so schnell wie ein gewöhnlicher 4/4-Takt zu sein. Um den mühsam zu schreibenden und lesenden Sechzehnteln aus dem Weg zu gehen und den langsamen Charakter der Musik zu betonen, schreibt man einfach jede Sechzentel als Achtel, jede Achtel als Viertel etc. Dadurch wird im Gegensatz zum 4/4-Takt nur noch jedes zweite Viertel betont, also praktisch jede Halbe. Daher also der Zwei-Halbe-Takt, oder eben 2/2, im Fachjargon Alla breve genannt. Um beim Dirigieren das Feeling des Alla Breve an den Chor zu bringen, verwendest Du die Schlagfigur in Abbildung 4.3. Auch wenn der Takt eher langsam ist, darfst du nicht in einen schludrigen Dirigierstil verfallen und den Chor aufgrund mangelnder Fixpunkte in den Takten das Timing verlieren lassen.

Der 3/4-Takt

Dazu ist nicht viel zu sagen. Falls Ihr es nicht mit einem Bierzeltschlager zu tun habt.
Dynamik
Ein äußerst einfaches und doch so wirkungsvolles Stilmittel! In den Noten findest Du eventuell Zeichen für crescendo (lauter werdend) und decrescendo (leiser werdend) oder entsprechend öffnende oder schließende Pfeile, meistens musst Du sie bei TS-Noten aber selbst denken. Wenn der Chor gut eingespielt ist, werden Deine Bewegungen dieselbe Wirkung auf den Chor haben wie der Lautstärke-Regler an einer Anlage.

Crescendo

„locke“ den Chor mit den Fingern, lass die Handflächen nach oben zeigen.
große, ausladende Bewegungen sollen zum lauter werden animieren.
vergiss Deine Mimik nicht! Auch sie demonstriert großen, gewaltigen Sound, der das Publikum umbläst.

Decrescendo

„dämme“ den Sound mit den Händen ein, als würdest Du eine sehr aufgeregte Person beruhigen.
kleine (r werdende) Bewegungen, lege zur Not den Finger auf die Lippen.
werde „klein“, singe selbst leiser und versuche, auch so auszusehen!
Einsätze


Zeige Einsätze an, bevor sie kommen. Du dirigierst den Chor, nicht umgekehrt! Zunächst musst du die Aufmerksamkeit holen, damit alle wissen: „gleich kommt was!“ und dann den Schlag vor dem Einsatz groß machen (z.B. Einsatz auf die „zwei“, große Bewegung auf der „eins“) und dabei demonstrativ einatmen. Einsätze musst Du selbst zuhause vor allem üben, üben, üben.

Rhythmus und Aussprache

Sei ruhig ein wenig penibel, wenn Du dem Chor den Rhythmus im Text beibringst. Besonders bei bekannten Liedern hat jeder seine eigene Vorstellung von Betonungen, Rhythmen, Tonlängen etc. Lass Dich dadurch nicht verunsichern! Wichtig ist, dass Ihr alle dasselbe singt – mach das dem Chor klar und achte darauf, dass Du es Ihnen immer "richtig", in diesem Fall also einheitlich vormachst. Deutliche Aussprache ist unheimlich wichtig! Achte auch von vornherein darauf, dass Du keinen Zweifel über Tonlängen aufkommen lässt. Manche Sänger neigen dazu, Tonendungen ewig lang zu ziehen – bringe dem Chor bei, auf Dein Abwinken genau zu reagieren. Ein einheitliches "t" am Schluss klingt prima, "t-tt-t-t" hingegen weniger... Lege aber nicht zu viel Betonung auf das letzte „t“, denn sonst singen einige viel zu scharf und gewalttätig, was gerade im Englischen ungünstig sein kann („so you better get this party startettt!“).
Tempo

Wenn die Band dabei ist, bist Du in der Regel relativ machtlos, was das Tempo angeht, es sei denn, dein Schlagzeuger vertraut Dir und er kann Dich während des Konzertes gut sehen. Beides auf einmal passiert jedoch recht selten. Bei A-Capella-Liedern aber bist Du ganz ohne Frage der Chef! Nutze auch diese Spielmöglichkeiten! Klassischer Fall ist ein Ritardando (rit./langsamer werden) kurz vor Schluss. Aber Du kannst das Tempo auch mal gewollt anziehen (acc./Accellerando). Hierzu ein Tipp: Die Bewegungen eher kleiner machen. Man will immer größer werden, damit alle einem folgen, aber im Endeffekt wird man durch den längeren Weg selber wieder langsamer!
Spannung halten

Vor allem bei ruhigen A-Capella-Liedern ist es sehr wichtig, dass du deine Hand zwischen den Zählzeiten richtig führst und nicht von Punkt zu Punkt fallen lässt. Wenn du eine ordentliche Grundspannung in deiner Haltung hast, singt auch dein Chor viel ansprechender und hält sich auch stärker an das, was du vorgibst. Außerdem besteht bei zu wenig Spannung die Gefahr, dass der Chor stark absinkt. Auf das Halten der Spannung ist aber auch bei Liedern mit der Band zu achten – schließlich ruht sich der Chor nicht auf den Instrumenten aus, sondern spielt selbst eine große Rolle.
Chorbewegungen

Falls Ihr Euch darauf geeinigt habt, Chorbewegungen zu machen – pass auf, dass sie nicht das Singen völlig behindern und dass sie nicht zu kompliziert sind, so dass sie sich am Ende mehr auf die Bewegungen konzentrieren als aufs Singen. Das wäre doch nicht Sinn des Ganzen, oder? Sie sind vor allem eine gute Sache, wenn der Chor über längere Strecken nichts zu tun hat. Bringe die Bewegungen erst bei, wenn der musikalische Teil sitzt, aber auch nicht erst in der letzten Woche vorm Konzert, weil dann zuviel Konzentration dafür gebraucht wird.
Ablauf der Lieder

Sprich den Ablauf eines Liedes genau mit der Band ab (sei am besten bei den Bandproben anwesend), schreib Dir den Ablauf auf, lerne ihn auswendig. Denk Dir spezielle Bewegungen/Dirigierzeichen für die einzelnen Abschnitte aus, verwende (gängige) Bezeichnungen wie Refrain, Strophe, Bridge, C-Teil, Schluss. Im Prinzip erfindest Du Deine eigene Geheimsprache mit dem Chor. Es gibt aber auch einige Zeichen, die fast überall verwendet werden. Du brauchst für den Chor Zeichen für:
Einsätze: z.B. Zeigefinger hoch, auf Dich aufmerksam machen, mit den Lippen das erste Wort stumm aber deutlich formen.
Tonendungen: die wichtigen musst Du anzeigen. Reiße den Ton ab, fang ihn ein! Oder mach einen Kreis mit den Händen und zum Abschluss schließe Daumen und Zeigefinger.
Wiederholungen: z.B. die Hände umeinander kreisen, als wolltest Du Wolle aufwickeln.
"nicht singen!": z.B. geschlossene Fäuste hochhalten, Lippen demonstrativ zusammenkneifen.
"von vorne": z.B. tätschle mit der Hand Deinen Kopf
"Achtung Schluss!": ...sei kreativ!! Es geht so immer weiter...
Damit ermöglichst Du wortlose Kommunikation auf der Bühne, schonst Deinen Hals – und wenn alles gut läuft, gelingen auch die kompliziertesten Lieder fehlerfrei. Falls Du Dir nicht die gesamte Koordination zutraust: Besprich mit der Band, wer schließlich auf der Bühne "das letzte Wort" hat und den Ablauf koordiniert, wenn doch etwas schief geht!
Männerstimmen


Bei Gospels (und auch sonst) kann es vorkommen, dass der Tenor wahnsinnig hoch ist. Die meisten Tenöre streiken beim f – falls Deine Noten so hoch (oder höher) gehen, überleg Dir, ob sie das schaffen, zur Not schreibe die Stimme ein wenig um (da kriegst Du bestimmt auch Hilfe). Man kann in manchen Fällen Bass und Tenor (transponiert natürlich!) tauschen. Meistens klingt es aber nicht so gut, die Männerstimme einfach nach unten zu oktavieren, weil dann der Abstand zwischen Männer- und Frauenstimmen zu groß wird. Lass dann lieber die, die können, Tenor singen und die anderen die Melodie oder eine andere Stimme, die nach Deinem Ermessen gut passt, nach unten oktavieren. Auf jeden Fall mach Dir über die Männerstimmen vor der Probe Gedanken, damit Du nicht vor dem Chor plötzlich ein böses Erwachen hast! Außerdem hat man es auch mit Jungs zu tun, die noch nicht im Stimmbruch waren. Lass sie (für sie tief) beim Tenor mitsingen. Manchen macht es aber gar nichts aus, noch ein halbes Jahr lang den Sopran oder Alt zu bereichern... Frag einfach nach!
Männerstimmen


Bei Gospels (und auch sonst) kann es vorkommen, dass der Tenor wahnsinnig hoch ist. Die meisten Tenöre streiken beim f – falls Deine Noten so hoch (oder höher) gehen, überleg Dir, ob sie das schaffen, zur Not schreibe die Stimme ein wenig um (da kriegst Du bestimmt auch Hilfe). Man kann in manchen Fällen Bass und Tenor (transponiert natürlich!) tauschen. Meistens klingt es aber nicht so gut, die Männerstimme einfach nach unten zu oktavieren, weil dann der Abstand zwischen Männer- und Frauenstimmen zu groß wird. Lass dann lieber die, die können, Tenor singen und die anderen die Melodie oder eine andere Stimme, die nach Deinem Ermessen gut passt, nach unten oktavieren. Auf jeden Fall mach Dir über die Männerstimmen vor der Probe Gedanken, damit Du nicht vor dem Chor plötzlich ein böses Erwachen hast! Außerdem hat man es auch mit Jungs zu tun, die noch nicht im Stimmbruch waren. Lass sie (für sie tief) beim Tenor mitsingen. Manchen macht es aber gar nichts aus, noch ein halbes Jahr lang den Sopran oder Alt zu bereichern... Frag einfach nach!